Biographische Daten zu Max Heidrich (1876 bis 1945)
Max Heidrich wurde am 25. Oktober 1876 in Mitteloderwitz/Sachsen, heute Oderwitz. Seine Eltern sind Franz Heidrich und Selma Göhl.
Zunächst machte er in Dresden eine Tischlerlehre. In Dresden besuchte er zunächst auch die Gewerbeschule und wechselte dann zur Gewerbeschule Berlin. Seine Wanderjahre führten ihn durch Deutschland sowie nach Österreich, Italien, Belgien und in die Schweiz. In Bern arbeitete er in den Jahren 1898/1899 für die Möbelfabrik Caspar Märki und besuchte die Kunstgewerbeschule Bern. Von 1902 bis 1905 wirkte er als Betriebsleiter der Möbelfabrik Wilhelm Seyffer in Backnang, Württemberg.
In Stuttgart heiratete er im Oktober 1902 und wurde in Backnang Vater von zwei Kindern. In Paderborn wurden zwei weitere Kinder geboren.
Zum 1. Juli 1905 erfolgte dann der Zuzug nach Paderborn, um seine neue Tätigkeit bei den Werkstätten Bernard Stadler aufzu- nehmen.

Überschrift aus einer Publikation der Werkstätten Bernard Stadler aus dem Jahr 1918.
1905 bis 1910:
Möbelzeichner der Werkstätten Bernard Stadler
Zusammen mit den Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk in München, den Deutschen Werkstätten Hellerau, den Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst, der Wiener Werkstätte, den Dresdner Werkstätten für Deutschen Hausrat, den Werkstätten für Wohnungseinrichtungen in München und den Saalecker Werkstätten in Saaleck sowie zahlreichen anderen gehörten die Werkstätten Bernard Stadler in Paderborn zur Reformbewegung des Kunstgewerbes als Gegenbewegung zu der seit Mitte des 19. Jahrhunderts aufgekommenen industriellen Massenproduktion unter der damals verbreiteten Verwendung von Stilmerkmalen des Historismus („Nachahmen“). Angestrebt wurden eine Klarheit und funktionsgerechte Gestaltung von Möbeln, Gegenständen des Alltags und Räumen bei einer den spezifischen Bedingungen der maschinellen Produktion angepassten Gestaltungsweise („neue Gesinnung“; oder wie Otto Stadler sagte: „Muthesius faßte alle Forderungen, die man an die neuzeitliche Werkkunst stellen muß, als da sind: gediegene Arbeit, Sachlichkeit, Ehrlichkeit und Selbständigkeit gegenüber geschichtlichen Stilen, zusammen in das eine Wort: Die neue Gesinnung.“). Wegbereiter war hier auch die britische Arts-and-Crafts-Bewegung.
Ab Anfang 1905 setzte Otto Stadler seine Vision der Neuen Gesinnung in die Tat um („grundsätzliche Umstellung auf den neuzeitlichen Geschmack“). Er formulierte es in seinen eigenen Worten wie folgt: „Während im Beginn der neuen Bewegung sich die Künstler ihre Werkstätten gründeten (Vereinigte Werkstätten), dann der Handwerker sich den Künstlern zur Ausführung ihrer Entwürfe anbot (Deutsche Werkstätten), zog in unserem Falle der Kaufmann den Künstler heran, und der Künstler hatte das Tischlerhandwerk erlernt und der Kaufmann hatte sich eingehend mit den Fragen der Kunst und mit der sozialen Frage beschäftigt, ehe er das väterliche Geschäft übernahm.“
Im Sommer 1905 (Zuzug nach Paderborn am 01.07.1905) stellte Otto Stadler den Tischler und Architekten Max Heidrich ein, der zunächst als Möbelzeichner tätig war, und ab 1910 bis zum 1. März 1922 als entwerfender Künstler exklusiv für die Werkstätten Bernard Stadler Möbel entwarf.
1908 wird Max Heidrich Mitglied des Deutschen Werkbundes, den Otto Stadler als Inhaber des Mitgliedes Werkstätten Bernard Stadler 1907 mitgründete. Alle vorliegenden Mitgliederverzeichnisse der Jahre 1908 bis 1919 führen Max Heidrich als Entwerfer und Tischler. In den Mitgliederverzeichnissen der Jahre 1925 und 1928, den Zeiten seiner Firmengründungen, wird er dann als Architekt, Entwerfer und Tischler geführt (siehe unten).
Ausschnitt aus dem Adreßbuch der Stadt Paderborn 1906.
Eintrag in Degeners „Wer Ist's“, X. Ausgabe, 1935.
Ausschnitt aus dem Adreßbuch der Stadt Paderborn 1908.
Ausschnitt aus dem Mitgliederverzeichnis des Deutschen Werkbundes
per 1. November 1908.
Sammlung Werkbundarchiv - Museum der Dinge, Berlin, Signatur: D 10047.
Ausschnitt aus dem Mitgliederverzeichnis des Deutschen Werkbundes
per 1. Oktober 1910.
Sammlung Werkbundarchiv - Museum der Dinge, Berlin, Signatur: D 715.
Mitglied des Deutschen Werkbundes seit 1908
1910 bis 1922:
Exklusiv entwerfender Künstler der Werkstätten Bernard Stadler
1910 stellten die Werkstätten Bernard Stadler auf der Weltausstellung in Brüssel aus. Drei von etwa 30 einzurichtenden Zimmern überließ das Deutsche Reich den Werkstätten Bernard Stadler. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes (Deutsches Haus) wurde das Arbeitszimmer des Reichskommissars und im Gebäude Raumkunst und Kunstgewerbe das Sprechzimmer sowie das Wartezimmer eines Arztes, alle nach den Entwürfen von Max Heidrich, ausgestellt.
Hierfür wurde das Unternehmen mit zwei Großen Preisen in der Gruppe 12, Dekoration und Ausstattung von öffentlichen Gebäuden und von Wohnräumen, ausgezeichnet:
• Klasse 66: Feste Dekoration von öffentlichen Gebäuden und von Wohnräumen: Großer Preis („Diplome de Grand Prix“).
• Klasse 69: Wohlfeile und Luxusmöbel: Großer Preis („Diplome de Grand Prix“).
Der entwerfende Künstler Max Heidrich wurde in der Klasse 66 mit dem Ehrendiplom („Diplome d’honneur“) ausgezeichnet.
1912 wurde Max Heidrich die Wiederherstellung der Fassade des Hotels „Zur Post“ in der Westernstraße, Paderborn, übertragen. Das alte Fachwerk war gänzlich überputzt und unkenntlich.
Im Mai 1913 stellten die Werkstätten Bernard Stadler mit dem Haus Polich-Stadler, im Stil eines vornehmen Einfamilienhauses errichtet, auf der Internationalen Baufach-Ausstellung 1913 in Leipzig aus. Der Preis des Hauses ist mit 40.000 Mark, der der Innenausstattung mit etwa 60.000 Mark angegeben. Eine Pressestimme befand: „Hier ist m. E. das Höchste geschaffen, was die abgeklärte Innenraumkunst unserer Zeit zu leisten vermag, echte Werkbundkunst, die auch die letzten Gegner des modernen Stiles entwaffnen muß.“ Hierfür wurden die Werkstätten Bernard Stadler mit der höchsten Auszeichnung, der goldenen Medaille der IBA Leipzig 1913, ausgezeichnet. Auch dem entwerfenden Künstler Max Heidrich wurde hierfür die goldene Medaille zuerkannt.
Parallel betätigte er sich seit 1913, mit dem Erfolg des Hauses Polich-Stadler auf der Internationalen Baufach-Ausstellung Leipzig 1913, als freischaffender Architekt (siehe auch in der Rubrik „Ausstellungen" dieser Internetseite, Internationale Baufach-Ausstellung Leipzig 1913). Die Werkstätten Bernard Stadler unterstützten dies 1914 auch durch ein Vorwort in seinem Prospekt „Wohnhäuser von Max Heidrich Paderborn", worin das seinerzeit aktuelle Sommerhaus Bernard Stadler (Köln 1914), das Haus Polich-Stadler (Leipzig 1913) sowie sein Privathaus (Paderborn 1913) dargestellt sind.



„Diplome d'honneur“, verliehen während der Weltausstellung in
Brüssel 1910 an Max Heidrich, entwerfender Künstler der Werkstätten Bernard Stadler..
Hier das Exemplar des Monsieur Henri Helie, Chablis.
Goldmedaille der IBA Leipzig 1913, verliehen während der Internationalen Baufach-Ausstellung in Leipzig 1913 an den entwerfenden Künstler der Werkstätten Bernard Stadler, Max Heidrich.
Das Haus Polich-Stadler während der Internationalen
Baufach-Ausstellung (IBA) Leipzig 1913.
Entwurf: Max Heidrich.
Schreiben von Otto Stadler an den Paderborner Anzeiger, veröffentlicht am 8. August 1912.


Mitteilung im Lippspringer Anzeiger vom 27. März 1912 über die Vergabe der
Wiederherstellung der Schauseiten des Hotels „Zur Post“, Westernstraße, Paderborn.
Rechts eine Ansicht des Hauses nach Wiederherstellung.
Westfälisches Volksblatt, Paderborn, vom 22.10.1913.
März 1922 bis März 1930:
Selbständigkeit mit drei aufeinanderfolgenden Firmengründungen
Zwischen März 1922 und Juni 1923 trennten sich die beruflichen Wege der Werkstätten Bernard Stadler und des langjährigen entwerfenden Künstlers Max Heidrich. Zum 16. Januar 1922 war die alte Firmierung „Bernard Stadler zu Paderborn“ erloschen, nachdem bereits zum 8. Juli 1921 die Aktiengesellschaft eingetragen worden war.
Zwecks Verwertung von Entwürfen zu Häuserbauten und dergleichen sowie die Übernahme von Bauleitungen gründete Max Heidrich zum 1. März 1922 als Mitgesellschafter die „Max Heidrich, Lüffe & Co. Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (bestand bis zur Löschung von Amts wegen im Dezember 1925).
Im Juni 1923 trennten sich die Wege dann auch in der Firmenwerbung (das bisher letzte nachweisbare Stadler-Inserat in der Fach- bzw. Tagespresse mit Nennung von Max Heidrich als Entwerfer erschien am 23. Juni 1923).
Im Oktober 1925 gründete Max Heidrich zwecks Herstellung und Vertrieb von Hausrat aller Art nach seinen Entwürfen, wiederum als Mitgesellschafter, die Fa. „Echterbecker, Koch & Co. m.b.H. Max Heidrich Hausrat“ (bestand bis Mai 1927).
Direkt im Anschluß, im Juni 1927, gründete er dann gemeinsam mit seiner Tochter, zwecks Herstellung, Ankauf und Vertrieb von Hausrat und Inneneinrichtungen aller Art die „Heidrich-Hausrat GmbH“ (bestand bis März 1930), worin sich mehrere Tischlereien unter seiner Geschäftsführung zusammenschlossen.
1928 schuf er sein wohl sichtbarstes Werk in Paderborn, das Kaufhaus Klingenthal. Eine Erweiterung erfolgte 1933/1934.
1929 enstand nach seiner Planung in der Senne das neue städtische Wasserwerk.
Eine Übersicht weiterer von ihm entworfener Bauten folgt.


Eintragung vom 24. April 1922 der ersten Firmengründung per 1. März 1922.

Werbeanzeige von März 1888

Löschung von Amts wegen der ersten Firmengründung vom 2. Dezember 1925.

Löschung vom 1. Juni 1927 der zweiten Firmengründung per 31. Mai 1927.
Eintragung vom 26. Oktober 1925 der zweiten Firmengründung per 8. Oktober 1925.
Werbeanzeige von Januar 1928,
Anschrift: Westernstraße 32.
Werbeanzeige von März 1928,
Anschrift: Westernstraße 32.
Werbeanzeige von Mai 1928,
Anschrift: Westernstraße 22.
Werbeanzeige von September 1928,
Anschrift: Westernstraße 22.
Werbeanzeige von Juli 1928,
Anschrift: Westernstraße 22.
Werbeanzeige von 29. März 1928,
nach dem Umzug in die Westernstraße 22,
gegenüber der Franziskaner-Kirche.
Werbeanzeige von Dezember 1928,
Anschrift: Westernstraße 22.
Werbeanzeige von Februar 1929,
Anschrift: Westernstraße 22.


Titel der Monografie über Max Heidrich in der vielbändigen Reihe „Neue Werkkunst“ (1930), mit einer Einleitung von Martin Richard Möbius.
Die Buchreihe über zeitgenössische Architektur umfasst rund 150 Bände, erschienen zwischen 1925 und 1932.



Ansicht des Kaufhauses Klingenthal
nach dem Wiederaufbau, ca. 1960.
Ansicht des Kaufhauses Klingenthal
nach der Erweiterung 1933/1934.
Entwurf: Max Heidrich.
Ansicht des Kaufhauses Klingenthal
nach Erbauung 1928, von der Königstraße aus.
Ansicht des Kaufhauses Klingenthal
nach Erbauung 1928, von der Westernstraße aus.

Eintragung vom 6 September 1927
der dritten Firmengründung per 17. Juni 1927.
Löschung vom 4. April 1930 der dritten Firmengründung per 1. April 1930.


Ansicht des Städtischen Wasserwerks, 1929.
Entwurf: Max Heidrich.
Ansicht des Städtischen Wasserwerks, 1929.
Entwurf: Max Heidrich.
1922 bis 1925: „Max Heidrich, Lüffe & Co. Gesellschaft mit beschränkter Haftung“
Oktober 1925 bis Mai 1927: „Echterbecker, Koch & Co. m.b.H. Max Heidrich Hausrat“
Juni 1927 bis April 1930: „Heidrich-Hausrat GmbH“

Ansicht des Kaufhauses Klingenthal.
Aufnahmedatum: 28. April 2024.

Ausschnitt aus dem Mitgliederverzeichnis des Deutschen Werkbundes
per 30. November 1925.
Sammlung Werkbundarchiv - Museum der Dinge, Berlin, Signatur: D 7433.

Stellengesuch der Heidrich Hausrat GmbH,
Westfälisches Volksblatt vom 12. Oktober 1927.
Werbeanzeige vom 14. März 1930
(Westfälisches Volksblatt)
Werbeanzeige vom 26. Juli 1929
(Westfälisches Volksblatt)
April 1930 bis 1945:
Freier Architekt und Leiter der Abteilung Heimstätten der Deutschen Arbeitsfront/NSBO des NS-Kreises Paderborn
Nach Liquidation der Heidrich Hausrat GmbH per März 1930 arbeitete Max Heidrich ausschließlich als Außenarchitekt.
Im September 1931 wurde die Genehmigung zur Gestaltung der neuen Marienstraße in Paderborn erteilt.
Am 1. Oktober 1931 trat Max Heidrich in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer: 662598), wodurch er nach der Machtergreifung im Januar 1933 den Status eines „Alten Kämpfers“ hatte.
Im September 1934 wurde Max Heidrich, im Sinne des Reichskulturkammergesetzes vom 1. November 1933, als Mitglied in die Reichskammer der bildenden Künste aufgenommen. Zudem wurde er zum Leiter des Kreisheimstättenamtes der NSDAP-Kreisleitung Paderborn und zum Vertrauensarchitekt ernannt. Diese Funktion wurde dann der Deutschen Arbeitsfront (DAF) zugeordnet.
In diese Zeit fällt auch der Bau des neuen Kinos, das „Residenz-Theater“, das am 3. August 1935 unter der Adresse Marienplatz 16 eröffnet wurde.
Max Heidrich erlebte die Zerstörung des alten Paderborns im Frühjahr 1945 und verstarb am 24. Juni 1945.
Weitere Ergänzungen und Quellenangaben folgen.
Aus dem Lippspringer Anzeiger vom 19. September 1934.




Modell dss neuen Kinos, das „Residenz-Theater“,
das am 3. August 1935 unter der Adresse Marienplatz 16 eröffnet wurde.
Entwurf: Max Heidrich.
Modell dss neuen Kinos, das „Residenz-Theater“,
das am 3. August 1935 unter der Adresse Marienplatz 16 eröffnet wurde.
Entwurf: Max Heidrich.
Saal dss neuen Kinos, das „Residenz-Theater“,
das am 3. August 1935 unter der Adresse Marienplatz 16 eröffnet wurde.



















